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20. Mai 2026

Was ist Mediation und wann ist der richtige Zeitpunkt dafür?

Wenn ich erzähle, dass ich Mediatorin bin und andere gerne zu Konflikt-Lösungen hinführe, bekomme ich meist positive Rückmeldungen. Alle halten es für einen sinnvollen Job.

In der Regel jedoch nur für andere. Denn zugleich begegnet mir eine Scheu davor, selbst eine:n Mediator:in für die Moderation eines Konflikts zu beauftragen. Allein der Gedanke daran scheint die Situation stets zu dramatisieren. „So schlimm ist es nun auch wieder nicht“, höre ich dann häufig.

Der Konflikt wird also lieber abgetan oder halbherzig gelöst? Ohne echte Aussprache, ohne Vereinbarungen für den weiteren Umgang mit dem eigentlichen Thema und ohne einen Ansatz des gegenseitigen Verständnisses?

So schwelt er im Hintergrund weiter und sammelt fleißig die nächsten kleinen zwischenmenschlichen Spannungen. Je mehr Zeit vergeht, umso größer wird der Kraftaufwand, den beide Parteien brauchen, um den Konflikt zu lösen und wieder zugewandt miteinander umzugehen. Bis hin zu einem Kipp-Punkt, an dem auch eine Mediation nicht mehr hilft.

Ich plädiere dafür, sich so früh wie möglich professionelle Unterstützung zu holen. Sogar präventiv, wenn ein Thema besprochen werden soll, das potenziell Konflikte birgt. Zum Beispiel bei großen Entscheidungen in einer geteilten Geschäftsführung, bei Erbschaften oder Unternehmensnachfolge oder auch bei Vereinbarungen zur Zusammenarbeit, wenn Verantwortungen neu verteilt wurden.

„Ja klar, als Mediatorin musst du das ja sagen“, kann man da denken. Doch für mich ist es genau anders herum: Ich bin Konfliktlöserin geworden, weil ich als Moderatorin von Team-Retrospektiven und individuellen Klärungs-Workshops schon oft erlebt habe, dass Streitthemen mithilfe einer externen Moderation viel ruhiger und nachhaltiger geklärt werden.

Wie läuft eine Mediation ab?

Der genaue Ablauf hängt immer auch von der Art des Konflikts, der Anzahl der Beteiligten, der Komplexität usw. ab. Grundsätzlich lässt sich aber sagen:

Der:Die Mediator:in führt durch die Gespräche und sorgt für einen ruhigen Rahmen. Er:Sie lässt sich von jeder Partei einzeln erzählen, worum es geht, während die andere Partei zuhört. So beleuchtet der:die Mediator:in den Konflikt aus allen Perspektiven und sorgt für Klarheit und Struktur. Anschließend wird in die Lösungsfindung gegangen und Vereinbarungen erzielt.

Zu Beginn wird geklärt, wie die Teilnehmenden mit der Vertraulichkeit in ihrem Umfeld umgehen wollen. Der:Die Mediator:in behandelt alles Gesagte vertraulich. Auch gegenüber auftraggebenden Personen.

Die Mediation findet in der Regel in mehreren 1,5- bis 2-Stunden-Sitzungen mit jeweils einigen Tagen Abstand statt. Es gibt auch Verfahren, die einen Konflikt an 1,5 bis 2 aufeinanderfolgenden Tagen lösen.

Worauf solltest du bei der Auswahl eines:r Konflikt-Moderator:in achten?

Die Person sollte sich mit Konflikt-Klärungs-Methoden auskennen. Zum Beispiel durch eine Coaching- und/oder Mediations-Ausbildung. Das versetzt sie in die Lage, eine gute Klärungs-Methode für den individuellen Konflikt zu wählen. Denn nicht immer muss es eine Mediation sein.

Sie hat kein Eigeninteresse am Ausgang des Konflikts.

Sie hat bisher mit keiner der Konfliktparteien an genau diesem Konflikt gearbeitet.

Wenn es um Konflikte im Unternehmen geht: Ist Fachkenntnis zur Branche notwendig?

Aus meiner Sicht nicht zwingend. Denn in einer Mediation treffen die Konfliktparteien als fachliche Expert:innen passende Vereinbarungen zu ihren Themen. Der:Die Mediator:in ist Expert:in für Konflikt-Klärung. Treten Fragen auf, die rechtlich geklärt werden müssen, ziehen die Konfliktparteien ihre Rechtsanwält:innen hinzu.

Die andere(n) Konfliktpartei(en) wollen keine Klärung. Was nun?

Es gibt Situationen, in denen nur eine Konfliktpartei eine Klärung will. Oder der Konflikt noch nicht offen benannt ist und eine der Parteien für sich alleine Klarheit dazu haben möchte. Dann ist mediationsanaloge Konfliktberatung oder Coaching eine gute Alternative. Im Einzelgespräch werden der Konflikt und mögliche nächste Schritte beleuchtet.

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